Straßennamen sind in die Kritik geraten. Insbesondere, wenn sie Personen ehren, die heute keine Ehrung mehr verdienen.

Bei der Mohrenstraße ist das anders. Sie soll umbenannt werden, obwohl damit Menschen geehrt werden, die es verdient hätten, sichtbar zu sein. Das Gleiche passiert mit den Mohrenapotheken.

Es ist das Verdienst der Mohrenstraßen, darauf aufmerksam zu machen, dass dunkelhäutige Menschen schon seit Jahrhunderten zu Deutschland gehören. Mehrere afropäische Filmemacher verfolgen dieses Ziel übrigens ebenfalls.

Mohrenapotheken verweisen auf die Mauren, die mittelalterlichen Herrscher über das heutige Spanien und Portugal. Daher stammt das Wort „Mohr“ (el moro). Muslimische Ärzte waren damals in der Heilkunst den Christen weit überlegen und wurden so zum Symbol medizinischer Expertise.

Die bildliche Darstellung des Mohren ist sicher sehr stereotyp gewesen wie Wappen und Fahnen es immer sind, ja sein müssen, weil sie von weitem erkannt werden sollen. Aber sie zeigen sie durchaus in einem positiven Zusammenhang, schließlich identifiziert man sich sogar mit ihnen..

Gleichzeitig bieten die Namen und Bilder fortwährend Anlass, z.B. mit Kindern, Besuchern oder Zugereisten über diese Menschen zu sprechen, die damit zu einem Teil unserer Geschichte und Identität werden.

Das Wort „Mohr“ selbst – übrigens ein weit verbreiteter Familienname – ist nur in einem historischen Kontext gebräuchlich. Es wird überhaupt nicht auf moderne Menschen angewandt. Deshalb muss auch niemand vor dem Namen geschützt werden.

Mein Rat wäre deshalb: Mohrenstraßen und -apotheken unbedingt beibehalten und gleichzeitig weitere Straßen nach Persönlichkeiten benennen wie Anton Wilhelm Amo oder Ignatius Fortuna. Gerne im Austausch gegen Namen, die diese Ehrung wirklich nicht verdient haben.

Und wenn Sie mich nach dem „Mohrenkopf“ fragen: Der Name ist natürlich inspiriert von den stereotypen Mohrenköpfen auf Wappen, Fahnen etc., die auch heute noch überall Verwendung finden. Bezieht sich also nicht auf wirkliche Personen wie Afrikaner oder Afropäer.

Der Kontext entscheidet hier über seine Verwendbarkeit: Wer sagt es zu wem in welcher Situation? Anstand und Feingefühl lassen sich nicht durch Sprachverbote ersetzen.

Als Betroffener kann man positive Stereotype humorvoll nehmen wie Andrew E. Onuegbu, der schwarze Kieler Chef, der sein Restaurant „Zum Mohrenkopf“ genannt hat. Er wehrt sich explizit dagegen, dass Weiße ihm sagen, wann er sich beleidigt fühlen muss, und spielt lieber selbstbewusst und selbstermächtigend mit dem Wort.

Andererseits ist die mittlerweile weit verbreitete Bezeichnung „Schokokuss“ auch sehr hübsch … Oder vielleicht doch zu sexy für eine ungesunde Süßigkeit?

In Österreich sagt man übrigens „Schwedenbombe“. Ob das wohl alle Schweden sagbar finden? Oder alle Pazifisten unsagbar?

Literatur: Wikipedia Mohrenstraße und Mohr