Die Sache ist hier verfahren:

Der Rat der Sinti und Roma möchte nicht, dass man „Zigeuner“ sagt, weil der Begriff von Rassisten missbraucht wurde und wird.

Die Sinti Allianz Deutschland findet den Begriff „Zigeuner“ angemessen und in jedem Fall besser als die unvollständige Aufzählung „Sinti und Roma“, die z.B. Jenische und Lovara ausgrenzt.

Für nicht Betroffene verbietet sich Besserwisserei. Deshalb kann ich Ratsuchenden nur empfehlen, sich an die Menschen selbst zu wenden.

Bei uns im Rheinland ist es zwar wahrscheinlicher, dass man auf Menschen trifft, die sich den Namen nicht von Rassisten nehmen lassen wollen und ihren jahrhundertealten Platz in der deutschsprachigen Geschichte trotz oder gerade wegen der erlittenen Verfolgungen mit Stolz behaupten. Wie ein betroffener Gesprächspartner jeweils darüber denkt, kann ich aber nicht wissen, bevor ich mit ihm darüber gesprochen habe.

Letztlich ist es wohl eine Frage der Strategie: Behalte ich eine traditionelle Bezeichnung und werte sie auf oder versuche ich, sie unsagbar zu machen und biete eine angemessene Alternative an? Die zweite Lösung hat allerdings einen weiteren Nachteil: Es gibt keine Garantie, dass der neue Begriff nicht auch beleidigend verwendet wird. Dieses Phänomen nennt man nach Steven Pinker „Euphemismus-Tretmühle“.

In jedem Fall sollten wir nicht Betroffene uns nicht um Begriffe wie Zigeunersauce und Zigeunerschnitzel streiten. Das ist anmaßend und paternalistisch.

Quelle: Markus Reinhardt auf ZigeunerwagenTV (Youtube) und Wikipedia Euphemismus-Tretmühle