„Geschlechtergerechte Sprache“ ist ungerecht.

Der Name sagt den Menschen: „Eure Sprache ist böse, unsere Sprache ist gut. Deshalb sind wir besser als ihr.“

Auch „achtsam“ ist diese Sprache nicht. Im Namen der Achtsamkeit werden die Menschen missachtet, die ihre Sprache lieben. Sie gehören offensichtlich nicht zu denen, auf die man Rücksicht nehmen muss.

Im Gegenteil: Sie sind der Feind im Kulturkampf um die Frage, was man sagen darf und wie man es sagen muss.

„Selbstgerechte Sprache“ wäre der treffendere Name.

Gendern mit Genderzeichen und Glottisschlag macht Frauen nicht sichtbar. Man hört und sieht nur noch die Selbstgerechtigkeit.

Männer werden überdies oft unsichtbar gemacht: „Expert:innen“ – Wo bleiben die Experten? Chef*innen – Wo sind die Chefs? „Wander_innen“ – Wo sind die Wanderer?

Die Schreibung „Kolleg(inn)en“ würde Männer und Frauen zeigen. Und Klammern wären auch kein schlechteres Symbol als ein Unterstrich, ein Stern oder ein Doppelpunkt. Klammern verstoßen nicht einmal gegen die Rechtschreibung.

Auch Paarformen sind besser. Sie sind ein rhetorisches Mittel, eine Tautologie, um Frauen sichtbar zu machen: Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen – alle und die Frauen.

Gendersprache ist schlechter als all das. „Schlechter gerechte Sprache“ wäre also ein besserer Name.

Unsere gemeinsame Sprache hat uns bisher immer gute Dienste geleistet. Man kann mit ihr alles sagen, was man will. Man kann mit ihr alles denken, sich alles ausdenken, eine bessere Welt und Verschwörungstheorien.

Aber sie ist nicht besser als andere Sprachen, auch nicht besser als Gendersprache. Es gibt keine besseren und schlechteren Sprachen. Aber es gibt gemeinsame Sprachen und Sondersprachen. Sprachen, die sich absondern. Gendersprache ist so eine Sondersprache.

Unsere gemeinsame Sprache hat es uns möglich gemacht, mit anderen über alles zu streiten, auch mit Andersdenkenden. Sobald uns die Sprache trennt, können wir das nicht mehr. Wir können uns nicht einmal mehr zuhören. 

Sprechen wir also lieber wieder „gemeinsame Sprache“! Und streiten wir uns um die Lösungen für Probleme unserer gemeinsamen Welt.

Gemeinsame Sprache hat den Kit, der zusammenhält, auch wenn alles auseinanderdriftet. Sprachliches Gluten, sozusagen. Aber manche sind allergisch gegen den Kleber, er macht sie krank.

Vielleicht wäre „glutenfreie Sprache“ ein treffender Ausdruck.