Es gibt Leute, die haben etwas gegen Flüchtlinge. Und es gibt Leute, die haben etwas für Flüchtlinge übrig. Auf beiden Seiten gibt es Leute, die haben etwas gegen das Wort. Den einen klingt es zu positiv, den anderen zu negativ.

Die einen wollen es durch „illegale Einwanderer“ ersetzen, die anderen durch „Geflüchtete“, „Flüchtende“ oder „Menschen mit Fluchterfahrung“.

Grund genug, dabei zu bleiben. Es ist ohnehin Bestandteil der Namen unserer wichtigsten Hilfswerke, Gesetze, Verträge.

Einige wohlmeinende Menschen stören sich aber an der Endung -ling. Entweder weil es Maskulinum ist – wie Mensch oder Gast. Was wäre daran verwerflich? Oder weil die Endung angeblich etwas Verniedlichendes oder etwas Αbwertendes hat. Tatsächlich gibt es solche Wörter mit -ling: Schönling, Jüngling, Feigling. Es gibt aber auch Neulinge und Zwillinge, Schützlinge und Lieblinge. An der Endung kann es also gar nicht liegen.

Die Partizipien passen überdies nur auf einen Teil der Flüchtlinge, diejenigen auf der Flucht (Flüchtende) oder die nach der Flucht (Geflüchtete). Was „Fluchterfahrung“ umfasst, ist zwar ohnehin unklar. Es klingt aber harmloser oder so, als sei die Flucht schon länger her.

Für alle kann man den Begriff Flüchtling nutzen. Er wertet nicht ab oder auf, er benennt lediglich einen international anerkannten Status. Und die, die es betrifft, sollten nicht ausgerechnet bei diesem Begriff auf ein babylonisches Sprachengewirr treffen.

Ein Vorteil des generischen Maskulinums: Es gilt für alle, ohne Grammatikprobleme: Die Deklination von Adjektiven und damit auch von Partizipien ist dagegen ziemlich kompliziert: Warum heißt es der Geflüchtete, aber ein Geflüchteter? Und nach Geschlecht muss ich auch noch unterscheiden: er ist Geflüchteter, sie Geflüchtete. Oder ist sie Flüchtende, er Flüchtender? Einfacher ist zum Einstieg in die neue Sprache besser: der Flüchtling, ein Flüchtling, sie ist Flüchtling, er auch.

Mein Rat: Das Wort „Flüchtling“ sollte für alle sagbar bleiben.

Literatur: Wikipedia Flüchtling